Lieber Prasser als Neider

Lieber Prasser als Neider

Die Menschheit muss mit beiden Profilen leben – den Prassern und den Neidern. Beides sind Charaktereigenschaften, welche in extremer Ausprägung um Glück nicht oft vorkommen. Beide haben nicht nur Nachteile – sie sind Nachteile per se. Welche Eigenschaft hat aber trotz allem mehr Vorteile?

« Als Headhunter lege ich beide weg.»

Wenn ich diese Eigenschaften bei KandidatenInnen erkenne, lege ich als Personalberater ihre Dossiers weg. Beide haben negative Attribute und schaden.

Trotz allem gefallen mir die Prassenden besser. Die meisten erben ihr Geld oder werden mit dem goldenen Löffel gefüttert. Sie sind grundsätzlich faul und lassen sich rundum bedienen, kaufen alles von der goldenen WC-Schüssel bis zum Privatjet. Ob wir wollen oder nicht, schaffen und sichern sie durch ihre Einkäufe in ganz vielen Bereichen viele Arbeitsplätze. Ohne Prasserei gäbe es möglicherweise keinen Kaviar, weil sich eine Produktion nicht lohnen würde. Es gäbe auch weniger Schiffswerften, welche sich um die Entwicklung neuer Schiffe kümmern würden. Zwischen beiden gibt es viele Dienstleistungen und Produkte, die sie konsumieren wie alle Normalos eben auch, einfach mehr oder häufiger. Wenn man durch eine umweltfreundlichere Luxusjacht den Stolz eines Prassers stärken und sein schlechtes Gewissen – ja ich denke, die Prasser haben auch Gewissen – lindern könnte, wäre das doch eine Trippel-Win Situation: Neue Technologien werden unterstützt, Arbeitsplätze in der Werft gesichert und der Prasser wird ein bisschen weniger schlimm.

«Beide sind faul.»

Die Neidischen auf der anderen Seite sind auch faul. Sie möchten den Reichtum des Prassers eigentlich ein bisschen geschenkt erhalten. Durch ihren Neid blockieren sie sich allerdings und schaffen nichts Neues. Sie vergessen, dass sie selbst etwas Produktives tun könnten. Ihr Neid schafft keine Arbeitsplätze, keine Innovationen, keine Verbesserungen, keinen Umsatz. Würde ihr Neid befriedigt, wäre es im besten Fall Umverteilung. Wo nichts ist, kann auch nichts umverteilt werden.

«Reiche Menschen tun viel Gutes.»

Zum Glück gibt es beide Extreme nicht so häufig. Die meisten reichen Menschen sind keine Prasser. Sie tun viel Gutes für alle weniger Reichen. Sie sind Unternehmer, ohne die es keine Arbeitsplätze, keine Innovationen, kein Angebot an Lebensmitteln, Produkten und Dienstleistungen, kein Einkommen, keinen Wohlstand gäbe. Sie kaufen nicht nur bei den Discountern, sondern garantieren auch den Boutiquen um die Ecke und den Spezialgeschäften ein Einkommen. Sie unterstützen Sozialwerke, investieren auch in Start-ups für Klima-Themen etc.

Es gibt nur wenige Profi-Neider. Die meisten haben begriffen, dass Wohlstand nicht von Umverteilung kommt, sondern von Arbeiten. Das Lohnkonto wird durch aktive Teilhabe am Wertschöpfungsprozess gefüllt.

«Die Benachteiligten profitieren am meisten vom Wohlstand.»

Es gibt auch die wirklich Benachteiligten – aus verschiedenen Gründen. Ich bin der Meinung, dass diese Benachteiligten in einem Umfeld von Wohlstand, Reichtum und Zukunftsperspektiven profitieren. Wo es genug Steuern gibt, gibt es auch Sozialwerke. Es geht ihnen besser als in einem Umfeld von Neid, Armut und Hoffnungslosigkeit, wo alle um ihre Existenz kämpfen müssen.

«Prasserei und Neid sollten nicht unser Massstab sein.»

Ich bin überzeugt, dass die Mehrheit der Menschen die Prasserei hasst. Ich auch. Sie hassen aber auch die Neider. Ich auch. Die grösste Mehrheit fühlt sich weder prassend noch neidisch. Das Schweizer Volk hat dieses Wochenende begriffen, dass beide Extreme zwar existieren, man damit aber leben muss und unser Wohlstand auf einer positiven Einstellung zu Arbeit und Wertschöpfung basiert. Der Arbeitnehmerschaft und dem Unternehmertum eben.

Wie denken Sie – ich bin gespannt auf Kommentare.

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