Horror-Szenario: KI im Recruiting

Horror-Szenario: KI im Recruiting

Das ist eine Schlussfolgerung durch die KI-Beraterin eines Webinars zum Thema KI im Recruiting: Zitat *): «Da werden einfach zigtausende Bewerbungen geschickt …., also die durch künstliche Intelligenz geschrieben sind und … dann durch künstliche Intelligenz wieder aussortiert [werden]. Also das ist natürlich nicht das Szenario, das wir wollen. Das passiert heute und aktuell tatsächlich. Ein Horrorszenario ..» Ende Zitat.

Dass KI im Human Resources Management (HRM) sehr wertvolle Dienste leisten kann, ist für mich unbestritten. Nur in der Rekrutierung glaube ich tatsächlich, dass sich die beiden Beteiligten – die Recruiter und die Bewerbenden – gegenseitig in eine KO-Situation, ein Dead Lock, manövrieren.

«Stoppt den Horror von KI – die falsche Anwendung!»

KI schreibt die Bewerbung und ist natürlich so schlau, dass sie merkt, was sie selbst verfasst hat. Solche Bewerbungen werden aussortiert – eine fatale Einfachheit mit Selbstüberlistung: Die Bewerber schreiben mit KI unglaublich schnell schönere und vermeintlich bessere Bewerbungen – und die KI der Recruiter sortiert dies blitzschnell aus, na eben, weil sie nicht authentisch sind.

Künstliche Intelligenz in der Rekrutierung einfach stoppen? Nein, aber sinnvoller einsetzen.

Schlussfolgerungen für Bewerbende:

  1. Benutze KI zur Analyse des Inserats / Profils: Du erfasst damit die wichtigen Inhalte und Anforderungen schneller – falls das nicht auch ohne KI klar ist.
  2. Frage die KI, was die typischen Anforderungen für die Position sind – falls nicht ohne KI klar.
  3. Schreibe deinen Lebenslauf selbst. Nur du kannst dies wirkungsvoll und authentisch tun. Layouts gibt es zuhauf.
  4. Überprüfe deinen Lebenslauf, ob deine für die Position wichtigen Kompetenzen und Erfahrungen deutlich sichtbar sind. Passe notfalls deine Begriffe dem Wording im Inserat an. Achte auf die wichtigen Schlagworte. Aber BITTE: nur Begriffe und Schlagworte, welche du kennst. Dein Lebenslauf soll einem menschlichen Recruiter innert 3 Minuten klar machen, dass es wertvoll ist, dich zum Interview einzuladen.
  5. Falls ein Motivationsschreiben verlangt wird: SELBST SCHREIBEN – nebst ein paar netten Worten an Anfang und Ende => kurz und bündig deine zwei bis drei Hauptfaktoren für die Position (gleich wie im CV) erwähnen und fertig.
  6. Falls du zum Interview eingeladen wirst oder man dich um ein kurzes Bewerbungsvideo bittet:  Benutze KI zur Vorbereitung, um die Zielfirma (Produkte, Kultur, Business Drivers etc) kennenzulernen. Du musst diese auswendig lernen und im Video / Interview weglegen. Schaffst du das nicht, passt die Stelle für dich nicht.

    «Für die Besetzung einer wichtigen Position darf auch ein entsprechender Aufwand betrieben werden.»

    Schlussfolgerungen für Recruiter:

    1. Die Recruiter entscheiden über die wichtigste Ressource in einem Unternehmen – die Menschen. Man darf erwarten, dass im Rekrutierungsprozess ein der Wichtigkeit der Position entsprechender Aufwand betrieben wird.
    2. Wenn Sie Hunderte von Bewerbungen erhalten, dann würde ich KI für eine Vorauswahl auch benutzen (einfache ‘Volumenjobs’).
    3. Bei anspruchsvollen Jobs wird sich hoffentlich auch ein erfahrener und sachkundiger Recruiter um die Besetzung kümmern. Dann würde ich dringend empfehlen, jedes Dossier einzeln zu checken. Aus meiner Erfahrung als Headhunter weiss ich, dass man wirklich unpassende Bewerbungen (RAV Quotenbewerbungen, schlechte Bewerbungen) innert <1 Minute ausscheiden kann.
    4. Wenn tatsächlich noch über 30 wertvolle Bewerbungen übrigbleiben, werden Sie innert 5 weiteren Minuten wissen, ob das Dossier in die Shortlist gehört oder nicht. Und dann beginnt halt die seriöse Arbeit des Recruitings.
    5. Für eine professionelle Kommunikation mit den Bewerbenden ist KI auch einsetzbar, wenn dies nicht schon über ein einfaches Bewerbermanagementsystem erfolgt.

    «HR – bitte nicht kapitulieren!»

    Fazit

    Man kann nicht verhindern, dass sich Bewerbende mit Hilfe von KI Tools bewerben. Aber man kann den Aufwand in der Triage der Analyse der Bewerbungen optimieren. Liesse man aber die KI über eine Einstellung entscheiden, käme dies einer Kapitulation des HR gleich. Würde ein solches Unternehmen die KI fragen lassen, welche Mitarbeitenden für die Firma wichtig sind, würden wohl die meisten gefeuert :-).

    Die Diskussion ist eröffnet: Welche Tipps würdest du den Bewerbenden und Recruitern zum Thema KI geben?

    *) Zitat aus Jobcloud.ch Webinar zum Thema KI, 25.11.2025; Danke für das interessante Webinar!

    Dieser Artikel wurde auch in unserem ‚Recruiting+Bewerbung Blog‚ auf Linkedin publiziert.

    Bilderquelle: pixabay.com